Warum ist eine BImSchG-Genehmigung für Biogasanlagen erforderlich?
Biogasanlagen und Biomasseanlagen unterliegen dem Bundesimmissionsschutzrecht — und das Genehmigungsverfahren ist vielschichtiger, als es auf den ersten Blick wirkt. Falsche Verfahrenswahl, unvollständige Unterlagen oder übersehene Schwellenwerte kosten Monate.
Die Einordnung erfolgt über Anhang 1 der 4. BImSchV: Bei der typischen Biogasanlage greift in der Regel Nr. 8.6 (anaerobe Vergärung zur Biogaserzeugung), Nr. 1.2 für die nachgeschalteten BHKW (Verbrennungseinrichtung mit Biogas als Brennstoff) und ggf. Nr. 9.36 für die Gärrest-/Güllelagerung (≥ 6.500 m³). Maßgeblich sind Feuerungswärmeleistung, Gaserzeugungskapazität, Gasspeichervolumen und Lagerkapazität.
Auch Biomasse-Feuerungsanlagen — etwa für Holzhackschnitzel oder Restholz — unterliegen der Genehmigungspflicht; die Einordnung erfolgt hier über Nr. 1.2 bzw. Nr. 1.3 der 4. BImSchV, verbunden mit den Anforderungen der TA Luft. Ohne gültige Genehmigung ist der Betrieb untersagt. Spätere Erweiterungen lösen in aller Regel eine Änderungsgenehmigung nach § 16 BImSchG aus.
Pflicht für Spalte-1-Anlagen: Öffentlichkeitsbeteiligung, TÖB-Beteiligung, ggf. UVP-Vorprüfung. Laufzeit erfahrungsgemäß 12–18 Monate.
Spalte-2-Anlagen: kein Öffentlichkeitsbeteiligungsverfahren. Laufzeit erfahrungsgemäß 6–12 Monate.
Für wesentliche Änderungen: neues BHKW, größerer Gasspeicher, veränderter Substrat-Eintrag. Verfahrenstyp richtet sich nach der Gesamtanlage nach der Änderung.
Laufzeitangaben sind Erfahrungswerte aus abgeschlossenen Projekten — keine Garantie; abhängig von Vollständigkeit der Unterlagen und Kapazitäten der zuständigen Behörde.
Schnittstelle — Störfallrelevanz bei Biogasanlagen (12. BImSchV)
Biogasanlagen können gleichzeitig Pflichten nach der Störfall-Verordnung (12. BImSchV / Seveso-III-Richtlinie) auslösen: Überschreitet das gespeicherte Biogas oder Biomethan die Mengenschwellen für entzündbare Gase nach Anhang I der 12. BImSchV, wird die Anlage zum Störfall-Betriebsbereich. Das passiert häufig bei Flexibilisierungen, die deutlich größere Gasspeicher erfordern.
Die Konsequenzen: Erstellung oder Aktualisierung des Sicherheitskonzepts, Meldung an die zuständige Überwachungsbehörde, regelmäßige Inspektionen. Ingenieurbüro Brinkmann prüft diese Schwelle frühzeitig und integriert die Störfallbetrachtung — wo nötig — direkt in die BImSchG-Unterlagen.
Mehr zur Störfallverordnung (12. BImSchV) →Unser Leistungsumfang
Wir begleiten das gesamte Genehmigungsverfahren — von der ersten Anfrage bis zur Betriebsaufnahme:
- 1Vorprüfung und VerfahrenswahlEinordnung nach 4. BImSchV, Feststellung des zutreffenden Verfahrenstyps (§4, §16 oder §19 BImSchG), Abschätzung von Laufzeit und Genehmigungsrisiken.
- 2AntragsunterlagenErstellung aller Genehmigungsunterlagen als bauvorlageberechtigter Entwurfsverfasser — Lageplan, Betriebsbeschreibung, Emissionsberechnungen (Geruch, Lärm, Staub), Explosionsschutzkonzept.
- 3UVP-VorprüfungBeurteilung nach UVPG, Abstimmung mit der Genehmigungsbehörde.
- 4BehördenkoordinationEinreichung, Bearbeitung von Rückfragen, Begleitung von Orts- und Besprechungsterminen.
- 5Änderungsgenehmigungen (§16 BImSchG)Planung und Einreichung bei Kapazitätserweiterungen, zusätzlichen BHKW, neuen Gasspeichern oder veränderten Substraten.
- 6StörfallbetrachtungSchwellenwert-Prüfung nach 12. BImSchV, Erstellung und Aktualisierung des Sicherheitskonzepts bei Störfallrelevanz.
- 7BetriebsbegleitungBeratung nach Inbetriebnahme bei behördlichen Anfragen, Nachweispflichten und Inspektionen.
Regionale Schwerpunkte: Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen. Bundesweit tätig.
Referenzprojekte (anonymisiert)
- Region Rendsburg (2010)Neuanlage §4 BImSchG · BHKW 820 kW · spätere BHKW-Erweiterung §16 BImSchG.
- Region Celle (2016)Änderungsgenehmigung §16 BImSchG · BHKW-Leistung 781→2.281 kW · Trafostation 1.600 kVA · Explosionsschutzdokument.
- Region Münsterland (2017)Zwei Anlagen · je +1.203 kW Flex-BHKW · neue Gasspeicherdächer 3.727 m³ je Anlage · §16 BImSchG.
- Region Marl (2017)§16 BImSchG · neues Flex-BHKW 1.200 kW neben Bestands-BHKW 500 kW.
- Region Emsland (2018)Flex-Erweiterung §16 BImSchG · +1.203 kW elektrische Leistung · Gasspeicher von 1.764 auf 5.298 m³ · erstmals unter Störfall-Verordnung gefallen.
Aus Datenschutzgründen keine Straßenadressen. Weitere Referenzen auf Anfrage.
Ihr Ansprechpartner
Jan BrinkmannDipl.-Ing., dena-zugelassener Energieeffizienz-Experte (GIH), DGNB- und BiRN-Auditor, BAFA-SachverständigerInhaber Ingenieurbüro Brinkmann
Hatten (Oldenburg) | Norderney
Biogasanlagen sind einer meiner Arbeitsschwerpunkte — von der kleinen Hoflage bis zur großen Flexanlage mit Störfallrelevanz. Als bauvorlageberechtigter Entwurfsverfasser erstelle ich alle Genehmigungsunterlagen aus einer Hand.
Telefon: 0441 390 111 0E-Mail: [email protected]
Ludwig-Erhard-Straße 20, 26209 Hatten
Häufige Fragen
- Brauche ich für jede BHKW-Erweiterung eine neue Genehmigung?
- Wesentliche Änderungen — darunter die Erhöhung der elektrischen BHKW-Leistung oder die Vergrößerung des Gasspeichervolumens — sind genehmigungspflichtig nach §16 BImSchG. Ob eine Änderung als wesentlich gilt, hängt von den Schwellenwerten des bestehenden Bescheids und der 4. BImSchV ab. Eine frühzeitige Vorprüfung klärt das schnell und unverbindlich.
- Wie lange dauert eine BImSchG-Genehmigung für eine Biogasanlage?
- Im förmlichen Verfahren (§4 BImSchG) erfahrungsgemäß 12–18 Monate, im vereinfachten Verfahren (§19 BImSchG) 6–12 Monate. Der größte Hebel für eine zügige Bearbeitung ist die Vollständigkeit der Unterlagen bei Ersteinreichung.
- Wann wird meine Biogasanlage störfallrelevant (12. BImSchV)?
- Wenn das gespeicherte Biogas oder Biomethan die Mengenschwellen für entzündbare Gase nach Anhang I der 12. BImSchV überschreitet. Das trifft häufig Anlagen, die im Zuge einer Flexibilisierung deutlich größere Gasspeicher erhalten. Folge: Sicherheitskonzept erstellen oder aktualisieren, Behördenmeldung, regelmäßige Inspektionen. Wir prüfen das im Rahmen der Genehmigungsplanung mit.
- Welche Unterlagen benötige ich für einen BImSchG-Antrag?
- Je nach Verfahrenstyp: Betriebsbeschreibung, Lage- und Umgebungspläne, Emissionsberechnungen (Geruch nach VDI 3894, Lärm nach TA Lärm, ggf. Staub), Explosionsschutzdokument, Angaben zu Substraten und Gärprodukten sowie ggf. Unterlagen zur UVP-Vorprüfung. Als Entwurfsverfasser erstellen wir alle Unterlagen aus einer Hand.
- Ist Ingenieurbüro Brinkmann bauvorlageberechtigter Entwurfsverfasser?
- Ja. Jan Brinkmann ist als beratender Ingenieur bauvorlageberechtigt und in Niedersachsen als Entwurfsverfasser zugelassen.
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