Schematischer Vergleich QNG-Siegel und DGNB-Zertifikat beim nachhaltigen Neubau
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QNG oder DGNB? Unterschied, Zusammenspiel und wann Sie was brauchen

QNG ist das staatliche Siegel, DGNB ein privates Zertifizierungssystem. Für die KfW-Neubauförderung brauchen Sie das QNG-Siegel – DGNB kann dabei als zugelassenes Siegelträger-System den Nachweis mittragen. Wir erklären den Unterschied, das Zusammenspiel und welches System Ihr Projekt braucht.

Von Jan Brinkmann, zuletzt aktualisiert am
Stand: KW 26/2026

„QNG oder DGNB?" ist eine häufige Frage bei Neubauprojekten, die eine Nachhaltigkeitszertifizierung anstreben – sei es aus eigenem Anspruch oder wegen der KfW-Neubauförderung. Die kurze Antwort: Es ist keine Entweder-oder-Entscheidung. QNG und DGNB ergänzen sich. Dieser Ratgeber erklärt, was hinter beiden Systemen steckt.

Das Wichtigste vorab

  • QNG (Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude) ist ein staatliches Siegel des Bundesbauministeriums.
  • DGNB ist ein privates Zertifizierungssystem der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen.
  • DGNB kann als Nachweissystem für das QNG dienen – wer eine DGNB-Zertifizierung bestimmter Stufe erreicht, kann damit gleichzeitig die QNG-Anforderungen erfüllen.
  • Das QNG-Siegel ist bei der KfW-Neubauförderung (KFN) kein genereller Türöffner, sondern schaltet die höhere Kreditstufe frei: bis 150.000 € statt bis 100.000 € pro Wohneinheit. Die Basisförderung (Effizienzhaus 40 ohne QNG) gibt es ohne QNG-Siegel.

QNG erklärt: das staatliche Nachhaltigkeitssiegel

Das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG) wurde vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen eingeführt. Es bestätigt, dass ein Gebäude über den gesetzlichen Mindeststandard hinaus in zentralen Nachhaltigkeitsdimensionen geprüft wurde.

QNG gibt es in zwei Stufen: QNG-PLUS und QNG-PREMIUM. Bereits bei QNG-PLUS ist eine vollständige Ökobilanz (u. a. Treibhauspotenzial GWP und Primärenergiebedarf) verpflichtend – etwa ein Treibhauspotenzial von höchstens 24 kg CO₂-Äq./m²a. QNG-PREMIUM stellt dieselben Nachweisarten, jedoch mit verschärften Grenzwerten und höherer Nachweistiefe.

Das Siegel wird über zugelassene Siegelträger-Systeme vergeben. Der Eigentümer erhält das QNG-Siegel, wenn ein vom BMWSB anerkanntes System (z. B. DGNB, BNK) die Konformitätsprüfung durchgeführt hat.

Was das QNG auslöst: Es schaltet im Klimafreundlichen Neubau (KFN, KfW 297 für Selbstnutzer / KfW 298 für Nicht-Selbstnutzer) die höhere Kreditstufe frei – bis 150.000 € statt bis 100.000 € pro Wohneinheit. Die Basis-KFN-Förderung (Effizienzhaus 40 ohne QNG) ist auch ohne QNG-Siegel möglich.

DGNB erklärt: das private Zertifizierungssystem

Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) betreibt eines der meistgenutzten Nachhaltigkeitssysteme im deutschsprachigen Raum. Es bewertet Gebäude in mehreren Kategorien: Umwelt, Wirtschaft, Soziales, Technik, Prozess und Standort.

DGNB-Zertifizierungsstufen im Neubau (Wohngebäude): Silber, Gold, Platin. Zusätzlich gibt es ein Vorzertifikat, das bereits in der Planungsphase vergeben wird. Die Stufe Bronze ist der DGNB-Zertifizierung von Bestandsgebäuden im Betrieb vorbehalten und spielt im Neubau keine Rolle.

Das DGNB-System bietet ein breiteres Kriterienpektrum als das QNG allein verlangt. Es eignet sich besonders für Bauherren und Investoren, die über die KFN-Förderbedingungen hinaus umfassend dokumentieren wollen – etwa für Nachhaltigkeitsberichte, ESG-Anforderungen oder bei größeren Wohn- und Gewerbebauten.

Wie QNG und DGNB zusammenspielen

Das häufige Missverständnis: QNG und DGNB stehen nicht im Wettbewerb. DGNB ist ein zugelassenes Siegelträger-System für das QNG – wer einen DGNB-Prozess durchläuft, kann im Rahmen desselben Prozesses gleichzeitig die QNG-Anforderungen nachweisen lassen. Der Auditor koordiniert beides.

Praktisch bedeutet das:

  • Sie beauftragen einen QNG-Audit / eine DGNB-Zertifizierung.
  • Der Auditor (z. B. Ingenieurbüro Brinkmann als zertifizierter DGNB- und BiRN-Auditor) prüft die Konformität mit dem gewählten System.
  • Am Ende steht ggf. sowohl die DGNB-Zertifizierung als auch das QNG-Siegel – je nachdem, was angestrebt wird.

Weitere zugelassene Siegelträger-Systeme neben DGNB sind u. a. BNK (Bewertungssystem Nachhaltiger Kleinwohnhausbau), das speziell für Einfamilienhäuser konzipiert ist. Mehr zu Ablauf und Anforderungen: QNG-Zertifizierung im Neubau.

Vergleich auf einen Blick

MerkmalQNG-SiegelDGNB-Zertifikat
TrägerStaatlich (BMWSB)Privat (DGNB e. V.)
StufenPLUS / PREMIUMSilber / Gold / Platin (Neubau; Bronze nur Bestand)
KFN-Förderzugang✅ Schaltet die höhere Kreditstufe frei (150k statt 100k € / WE)✗ Nein (indirekt, wenn als QNG-Nachweis genutzt)
KriterienbreiteFokus: Mindestanforderungen NachhaltigkeitUmfassend: Ökologie, Wirtschaft, Soziales, Technik, Prozess
Für Neubau EFH✅ (z. B. via BNK)✅ (DGNB Wohngebäude)
ESG/ReportingBegrenztGut geeignet
Kosten-GrößenordnungHonorar ab ~4.500 € EFH + Siegelträger-GebührÄhnlich, je nach System und Umfang
Vorzertifikat möglichNeinJa

Hinweis: Kosten-Zeile gibt Größenordnungen an; für konkrete Preise → Ratgeber QNG-Audit-Kosten.

Die Kostenfrage erklärt der Ratgeber Was kostet ein QNG-Audit? transparent und mit konkreten Ab-Preisen.

Welches System für Ihr Projekt?

Höhere KFN-Kreditstufe (150.000 € / WE) angestrebt → QNG ist Pflicht. Die Basisförderung (Effizienzhaus 40 ohne QNG, bis 100.000 €) erhalten Sie auch ohne Siegel. Die Wahl des Siegelträger-Systems (DGNB, BNK o. a.) trifft der Auditor mit Ihnen zusammen, abhängig von Gebäudetyp und Anforderungstiefe.

Kein KFN-Fokus, aber breite Nachhaltigkeitsdokumentation (z. B. größeres MFH, Investorengebäude, ESG-Anforderungen) → DGNB-Zertifizierung ohne QNG-Siegel möglich; je nach Bedarf.

Einfamilienhaus mit KFN-Förderung → typischerweise QNG via BNK (Kleinwohnhausbau) oder DGNB Wohngebäude, je nach Planungsstand und Nachweistiefe.

Unser Büro begleitet beide Wege. Im Erstgespräch klären wir, welche Kombination für Ihr Vorhaben sinnvoll und realisierbar ist.

Leistungen: QNG-Audit · DGNB-Zertifizierung · Ratgeber: QNG-Zertifizierung im Neubau

Häufige Fragen

Brauche ich für die KfW-Förderung das QNG oder eine DGNB-Zertifizierung?
Das hängt von der gewünschten Förderstufe ab. Die Basis-Neubauförderung im Klimafreundlichen Neubau (KFN, KfW 297/298) für ein Effizienzhaus 40 ohne QNG gibt es ohne QNG-Siegel (bis 100.000 € Kredit pro Wohneinheit). Für die höhere Kreditstufe (bis 150.000 € pro Wohneinheit) ist das QNG-Siegel Voraussetzung. Eine DGNB-Zertifizierung ohne QNG-Abschluss schaltet die höhere Stufe nicht frei – nutzen Sie DGNB jedoch als Siegelträger-System und erfüllen dabei die QNG-Anforderungen, erhalten Sie mit demselben Prozess beides. Förderfähigkeit und -höhe richten sich nach der jeweils gültigen KfW-/KFN-Richtlinie; kein Rechtsanspruch auf Fördergewährung.
Was ist ein Siegelträger-System?
Das QNG selbst gibt keine Zertifizierungsdienstleistung heraus – es setzt Anforderungen. Die inhaltliche Prüfung läuft über „Siegelträger", also anerkannte private Zertifizierungssysteme wie DGNB oder BNK. Der Siegelträger bestätigt dem BMWSB, dass die QNG-Anforderungen erfüllt sind; das BMWSB verleiht dann das Siegel.
Was ist der Unterschied zwischen QNG-PLUS und QNG-PREMIUM?
Beide Stufen verlangen dieselben Nachweisarten – darunter eine vollständige Ökobilanz (Treibhauspotenzial GWP, Primärenergiebedarf). Der Unterschied liegt in strengeren Grenzwerten und einer höheren Nachweistiefe bei QNG-PREMIUM: etwa ein niedrigeres zulässiges Treibhauspotenzial (GWP höchstens 20 statt 24 kg CO₂-Äq./m²a), ein höherer Anteil nachhaltig erzeugten Holzes und strengere Schadstoffnachweise.
Kann ich nachträglich eine DGNB-Zertifizierung beantragen?
In gewissem Umfang ja – ein DGNB-Vorzertifikat wird jedoch in der Planungsphase vergeben und bestätigt die Ausführungsplanung. Ein nachträgliches Hauptzertifikat nach Fertigstellung ist möglich, setzt aber voraus, dass die nötigen Unterlagen dokumentiert wurden. Nachträgliche Beschaffung fehlender Nachweise erhöht den Aufwand.
Ist das DGNB-System auch für Einfamilienhäuser geeignet?
Ja, allerdings gibt es mit BNK (Bewertungssystem Nachhaltiger Kleinwohnhausbau) ein System, das speziell auf Einfamilienhäuser zugeschnitten ist und als Siegelträger für das QNG zugelassen ist. Welches System für Ihr EFH besser passt, hängt von Komplexität und Anforderungstiefe ab – das klären wir im Erstgespräch.

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